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Newsbeiträge
25 Jahre nach dem Atomunfall in Tschernobyl (Ukraine) - eine Chronik der Katastrophe
26. April 1986, 1.23 Uhr, 58 Sekunden
Während
eines Experiments im Block 4 des ukrainischen AKWs Tschernobyl gerät
der Reaktor außer Kontrolle. Eine Notabschaltung von Hand bleibt
wirkungslos.
Eine erste Explosion schleudert die obere, tausende von
Tonnen schwere Platte des Reaktors weg, brennendes radioaktives
Material wird herausgeschleudert, das radioaktive Inventar freigesetzt.
An mehr als 30 Stellen treten Brände auf. Rauch und Dampf bilden eine
strahlende Wolke, die über die westlichen Teile der Sowjetunion und
weiter Richtung Mitteleuropa hinwegzieht. Schließlich breitet sie sich
über die ganze nördliche Erdhalbkugel aus. Insgesamt wird das rund
200fache der Radioaktivität der Atombombe von Hiroshima über diese
radioaktive Wolke freigesetzt.
26. April, 4.30 Uhr
Der Schichtleiter meldet der Kraftwerksleitung, dass der Reaktor intakt geblieben sei, obwohl Bruchstücke des Brennstoffes offen rumliegen. Bis zum darauffolgenden Abend beharrt die Kraftwerksleitung darauf, dass der Reaktor nur gekühlt werden müsse.
26. April 1986, vormittags
Während im Atomkraftwerk die Feuerwehrleute ohne Schutzkleidung versuchen, die Brände zu löschen und dabei so verstrahlt werden, dass sie bald sterben, beginnt in der nahegelegenen Stadt Pripjat ein ganz normaler, schöner Samstag. Zwar gibt es Gerüchte über einen Unfall im Atomkraftwerk, aber die Kinder gehen zur Schule, man fährt ins Grüne und zum Baden. Die Verantwortlichen der Stadt haben Anweisungen, Normalität zu demonstrieren.
27. April 1986, 14.00 Uhr
Die Evakuierung der Einwohner von Pripjat beginnt. Über 30 Militärhubschrauber beginnen 40t Bor, 800t Dolomit, 1800t Sand und Lehm und 2400t Blei auf den Reaktor abzuwerfen. Diese Aktion dauert bis zum 10. Mai.
28. April 1986, 16.00 Uhr
Die Nachrichtenagentur afp meldet, dass in der Umgebung des südschwedischen AKW Barsebäck erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Das AKW Forsmark, nördlich von Stockholm, wird geräumt, nachdem außerhalb der Anlage in einem Umkreis von vier Kilometern erhöhte radioaktive Strahlung gemessen worden war.
28. April 1986, 20.08 Uhr
Erstmals schickt die amtliche Nachrichtenagentur TASS die erste sowjetische Information über die Havarie im Atomkraftwerk Tschernobyl über den Ticker.
30. April 1986, morgens
Im Raum München wird in Bodennähe erhöhte Radioaktivität festgestellt. Die Wolke ist in Deutschland angekommen.
30. April 1986
Wladislaw Terechow, Gesandter der Botschaft der UdSSR in der BRD erklärt in „heute“ (ZDF): „Die radiologische Lage in diesem Gebiet ist stabilisiert, obwohl die Verschmutzung dort geringfügig die Normen übertroffen hat; aber nicht in dem Maße, dass irgendwelche Sondermaßnahmen erforderlich machen würde.“
1. Mai 1986
In Kiew, Minsk und vielen anderen betroffenen Orten finden die Demonstrationen zum 1. Mai in gewohnter Weise statt.
Die Evakuierung innerhalb der 30km Zone beginnt. Insgesamt müssen 1986 116.000 Menschen dauerhaft ihre Häuser verlassen, die Nutz- und Haustiere werden getötet, über 260.000 schwangere Frauen und Kinder werden während der Sommermonate in andere Gebiete verschickt. 10.000 km2 auf dem Gebiet der Ukraine, Weißrusslands und Russlands werden zur Sperrzone erklärt. Insgesamt werden 1.181.209.000 Tonnen an Erdreich, Wald, etc. in der Sperrzone abgetragen.
18. Mai 1986
Am Ostufer des Ölper Sees in Braunschweig messen unabhängige WissenschaftlerInnen auf einem Streifen von 300m Kontaminationen von 100.000 - 700.000 Becquerel/m2. Zuvor waren schon auf der Rollschuhbahn im Prinzenpark Werte bis 100.00 Becquerel/m2 gemessen worden. Ein Antrag auf Sperrung der Bahn wurde von der Stadt und dem Verwaltungsgericht abgelehnt, die Eltern müssten ihre Kinder ja nicht Rollschuh fahren lassen.
6. Juni 1986
Nach heftigen Auseinandersetzungen über die schlechte Informationspolitik der Bundesregierung und die mangelnde Koordination der beteiligten Ressorts wird das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gegründet.
28. August 1986
In der französischen Zeitung Le Monde erklärt Hans Blix, Chef der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO): „Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie kann die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen.“ Die IAEO – fälschlicherweise oft als Behörde bezeichnet – ist eine UN-Organisation deren Ziel es ist, die Nutzung von Atomenergie auf der Welt zu fördern.
29. September 1986
In Tschernobyl gehen der Reaktorblock 1 wieder in Betrieb, die Blöcke 2 und 3 folgen im November.
11. Oktober 1991
Nach einem Großbrand in der Turbinenhalle wird der Block 2 abgeschaltet und am 20. Oktober 1993 endgültig stillgelegt..
15. Dezember 2000
Der letzte Reaktorblock in Tschernobyl (Block 3) wird stillgelegt. Im November 1996 war bereits Block 2 abgeschaltet worden. Mehr als 14 Jahre hat das staatliche Unternehmen Energoatom seine MitarbeiterInnen in die unmittelbarer Nachbarschaft des havarierten Reaktors geschickt um weiterhin Atomstrom zu produzieren. Für die Stilllegung von Tschernobyl bekommt die ukrainische Regierung 3,1 Mrd. DM von der EU über die sie frei verfügen kann – auch für den Bau neuer AKW.
5. Juni 2001
Israelische und ukrainische Wissenschaftler berichten, dass sie im Erbgut von Kindern der Liquidatoren siebenmal mehr Mutationen als bei Vergleichsgruppen gefunden hätten.
September 2005
Das
Tschernobyl-Forum, eine Arbeitsgruppe unter dem Dach der IAEO, legt
einen Bericht über die Strahlenfolgen der Tschernobyl-Katastrophe vor
und heizt damit die Auseinandersetzung um die Folgen an. Nur 50
Todesfälle könnten direkt der Strahlung zugeschrieben werden. 2200
Liquidatoren müssten mit einem vorzeiten Ableben rechnen, etwa 4000
Schilddrüsenkrebsfälle seien auf den Unfall zurück zu führen. Ansonsten
gäbe es keine Anzeichen für Krebserkrankungen oder Missbildungen von
Neugeborenen. Weitere Krankheiten seien rein psychosomatisch.
April 2006
Die Ärzteorganisation IPPNW legt eine eigene Studie zu den Tschernobyl-Folgen vor: Nach russischen Angaben sind mehr als 90% der Liquidatoren arbeitsunfähig, krank und altern schneller. Zwischen 50.000 und 100.000 sind inzwischen verstorben. In Weißrussland gab es bisher 10.000 Schilddrüsenkrebsfälle, junge Frauen erkranken verstärkt an Brustkrebs. Aber auch andere Erkrankungen des Nervensystems, des Kreislaufsystems, der Verdauungsorgane, des Knochen-Muskelsystems, der Haut, sowie psychische Erkrankungen haben sich vervielfacht. Das Ausmaß der genetischen Schäden lässt sich schwer abschätzen, die Zahlen schwanken zwischen 12.000 und 83.000 Missbildungen in der Tschernobylregion. Allein in Bayern gab es nach der Katastrophe 1000 - 3000 zusätzlichen Missbildungen.
17. September 2007
Das europäische Konsortium Novarka bekommt den Auftrag, eine Stahlhülle über dem Sarkophag zu errichten. Die Kosten werden auf 1 - 1,6 Mrd. Euro geschätzt. Seit Jahren muss der Betonsrakophag immer wieder notdürftig saniert werden, weil Regenwasser eindringt und der Einsturz droht. Die Hitze im Inneren des Reaktors von Tschernobyl beträgt immer noch mehr als 200°.
12. August 2010
Seit Wochen wüten schwere Wald- und Torfbrände in Russland. Erstmals geben die russischen Behörden zu, dass diese Brände auch die seit Tschernobyl radioaktiv verseuchten Gebiete im Westen Russlands erfasst und radioaktiven Staub aufgewirbelt haben.
aktuell
Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt für bestimmten Regionen auch heute noch vor dem Verzehr von Pilzen und Wildbret. In Wales dürfen manche Schafe immer noch nicht verzehrt werden, weil ihre Weiden mit Cäsium-137 kontaminiert sind.
Quelle: tschernobyl25.de
Weitere chronologische Berichte ...
www.reyl.de | www.benoroe.de | www.dradio.de | Newssuche
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Kommentare
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Japan das zweite TschernobylEigentlich sagt man: "Der dumme lernt aus seinen Fehlern und der Schlaue von anderen" !!! Irgendwie hat dieses Spriechwort keinen Sinn mehr, denn die Menschen haben nichts aus Tschernobyl gelernt. Jetzt nach 25 Jahren ist die Katastrophe in Japoan und in einpaa Jahren oder auch bald, wird wieder etwas passieren, wenn die Politiker nichts dagegen unternehmen. Denn drunter leiden tuhen nur unschuldige Menschen.
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Lange vor Tschernobyl: Atomunfall in MajakWas viele nicht wissen .. lange vor Tschernobyl gab es bereits eine Atomkatastrophe gleichen Ausmaßes in Majak, Russland.
Der radioaktive Fallout wird in einigen Zeitungsberichten als größer als der von Tschernobyl bezeichnet. Der Atomunfall ereignete sich im September 1957, konnte bis ins Jahr 1989 geheim gehalten werden.
Russland aktuell -
Wie Weltuntergang: 50 Jahre Atomunfall von Majak
Die Zeit - Das Menetekel von Majak
Die Welt - Der bestverschwiegene GAU der Geschichte
Wikipedia - 29. September 1957: Der Kyschtym-Unfall




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