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Deutschland | MCS (Multiple Chemikaliensensibilität)
Soziales Dorf: Projektstand

MCS-Betroffene: Unverschuldet mit großen Schritten in die Armut

Eingereicht von Maria Herzger am 08. Jun 2011 - 06:00 Uhr             Seitenaufrufe: 4207

Bild 0 für MCS-Betroffene: Unverschuldet mit großen Schritten in die Armut

Armut kennt viele Gesichter und betrifft immer mehr Menschen in Deutschland. Der Löwenanteil der Zeitarbeiter und Minijobber wird mit menschenunwürdigen Dumpinglöhnen bezahlt und muss mit Hartz-IV aufstocken, um den Lebensunterhalt überhaupt erst bestreiten zu können. Armut holt hierzulande immer mehr Menschen ein, auch diejenigen, die einst mit beiden Füßen fest im Berufsleben standen und sich das Schicksal, jemals selbst von Armut betroffen zu sein, so nie „erträumt“ hätten. Der Verlust des Arbeitsplatzes und die derzeitigen gesellschaftspoltischen Rahmenbedingungen reichen in der heutigen Zeit vollkommen aus, unverschuldet ins soziale Abseits zu geraten.


Durch Krankheit und Verlust des Arbeitsplatzes in den Sog von Armut

Ein altes Sprichwort besagt „Jeder ist seines Glückes Schmied“, doch das nackte Leben lehrt uns eine ganz andere Wahrheit. Immer häufiger geraten Menschen ohne Eigenverschulden in den Teufelskreis von Armut. Heutzutage kann es ganz schnell zum Verlust des Arbeitsplatzes kommen. Länger andauernd oder chronisch krank zu werden, ist beispielsweise eine häufige Ursache für den Einstieg in den sozialen Abstieg. Vielen Umweltkranken wie z. B. MCS-Patienten widerfährt dieses leidvolle Schicksal nur allzu oft. Das bedeutet für die meisten Betroffenen ein Schritt in eine Sackgasse, ohne jegliche Aussicht dort jemals wieder herauszukommen.


Mangelnder Arbeits- und Verbraucherschutz - der Weg ins soziale Abseits

Unzählige Menschen erleiden durch Schadstoffexpositionen am Arbeitsplatz und / oder durch Wohnraumgifte wie auch durch Chemikalien in Alltagsprodukten, gravierende und zum Teil irreparable Gesundheitsschäden. Nur allzu oft werden die tatsächlichen Krankheitsursachen nicht erkannt bzw. hinterm Berg gehalten, was den Gesundheitszustand der Umweltpatienten weiterhin verschlimmert, von den sozialen und finanziellen Folgen ganz zu schweigen. Dadurch bedingte wiederkehrende Fehlzeiten und die schlechte gesundheitliche Verfassung der Betroffenen, führen in vielen Fällen zum Verlust des Arbeitsplatzes und viel schlimmer noch, vielfach sogar zum gänzlichen Verlust der Erwerbsfähigkeit.

Die Verursacher der Misere werden in den seltensten Fällen zur Rechenschaft gezogen. Die Anerkennung durch Berufsgenossenschaften bzw. Übernahme von Verantwortung durch die Hersteller schadstoffbelasteter Produkte, bleiben die große Ausnahme. Der finanzielle Ruin der Betroffenen ist somit vorprogrammiert. Sind die Geschädigten ohne Unterstützung ihrer Familie auf sich alleine gestellt, schnappt die Armutsfalle unaufhaltsam zu. Somit werden einst gesunde und am gesellschaftlichen Leben teilhabende Menschen, völlig ohne eigenes Verschulden zu gesellschaftlich isolierten Sozialleistungsempfängern und demzufolge aufs gesellschaftliche Abstellgleis manövriert.


Ohne Moos nix los - Verschlimmerung der Gesundheit unausweichlich

Ohne ausreichende finanzielle Mittel und einen fachkundigen Rechtsbeistand ist es für MCS-Kranke schier unmöglich, ihre berechtigten Ansprüche gegenüber Arbeitgeber und Behörden geltend zu machen. Somit ist Hartz IV für die meisten Umweltpatienten die unausweichliche Konsequenz. Die missliche finanzielle Lage der Betroffenen birgt zudem noch weitere Schattenseiten. Vielfach bestehen bei Umweltpatienten schwerwiegende Medikamentenunverträglichkeiten, so dass in den überwiegenden Fällen nur noch Naturheilpräparate und homöopathische Arzneimittel toleriert werden. Ebenso ist die Gabe von Vitaminen und Mineralien ein schwerpunktmäßiger Therapieansatz bei der Behandlung von MCS. All dies sind keine verschreibungspflichtigen Medikamente, so dass die Kosten von den MCS-Betroffenen selbst aufzubringen sind.

Doch all dem nicht genug, krankheitsbedingt dringend erforderliche Hilfsmittel wie beispielsweise ein Luftreinigungsgerät, sind ebenfalls keine anerkannten Kassenleistungen. Auch hier schnappt die Kostenfalle zum gravierenden Nachteil der Betroffenen zu, denn die dringend benötigten Hilfsmittel sind für den Großteil der Umweltkranken völlig unerschwinglich. Eine mögliche Gesundheitsverbesserung bzw. die Option, den vorhandenen Gesundheitsstand dadurch halten zu können, rücken in weite Ferne.

Bedingt durch die gesundheitliche Verfassung liegen bei Patienten, die an Multipler Chemikalien Sensitivität leiden, weitere besondere Anforderungen an das Lebensumfeld vor, wie z. B. die Ernährung mit biologisch erzeugten Nahrungsmitteln und vielfach das Tragen von Öko-Bekleidung. All dies erfordert einen finanziellen Mehrbedarf, der nicht mehr aufzubringen ist.


Schadstoffarmes Wohnen - für MCS-Patienten ein Muss

Für MCS-Kranke ist eine schadstofffreie Wohnumgebung unumgänglich. Doch genau das stellt oft ein unüberwindbares Problem dar. Gesundes Wohnen ist hierzulande nahezu ein Fremdwort. Ökologisches Bauen wird überwiegend mit Verwendung nachwachsender Rohstoffe, wie bspw. Holz oder wärmegedämmtem Wohnraum gleichgesetzt. In puncto schadstoffarmem Bauen steckt man in Deutschland noch in den Kinderschuhen, denn das Bewusstsein hierfür ist kaum vorhanden. Eine notwendige Wohnraumsanierung ist für Umweltpatienten mangels finanzieller Mittel kaum zu bewerkstelligen, abgesehen von ihrer eigenen gesundheitlichen Situation.


MCS-Kranke brauchen eine Lobby

Durch die weiterhin allgemein vorherrschende Unkenntnis über die Umweltkrankheit Multiple Chemikalien Sensitivität, widerfährt vielen MCS-Patienten seitens Ärzten, Behörden und Sozialträgern fortwährend eine Fehleinschätzung ihres Gesundheitszustandes bzw. ihrer persönliche misslichen Lebenssituation. Dadurch bedingt erleben viele Betroffene unnötigerweise eine voranschreitende Verschlechterung ihrer Gesundheit und geraten unausweichlich in die Armutsfalle. Sie müssen in Wohnungen leben, die für sie auf Grund ihrer Gesundheit und den folglich resultierenden besonderen Anforderungen an den Wohnraum, unzumutbar sind. Auch erhalten sie größtenteils nicht ihre dringend benötigten Hilfsmittel und können sich durch ihre missliche finanzielle Lage nicht ausreichend gesund mit Bio-Lebensmittel ernähren.

Dementsprechend weitet sich der Teufelskreis für die Umweltkranken immer weiter aus, was bedeutet, dass ihre verbliebene Restgesundheit unaufhaltsam dahinschwindet. Die politischen Akteure sind am Zug adäquate Rahmenbedingungen für Umweltpatienten zu schaffen, damit unnötiges Leid und überflüssige Gesundheitsverschlimmerung wie auch soziale Ausgrenzung und Armut endlich ein Ende nehmen.


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Autorin: Maria Herzger



Anmerkungen:
FOTO: © iStockphoto /RushOnPhotography


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Kommentare

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  1. mcs betroffene
    Hallo liebe Maria,

    vielen Dank für den Kommentar,
    es stimmt ganz genau, mir geht es genau so schlecht, vor allem beim Arzt besuchen

    Grüße aus Aalen
    Ludmila
  2. Arztbesuche und Klinikaufenthalte sind für MCS-Patienten oft nicht möglich
    Liebe Ludmila,

    das kann ich sehr gut nachvollziehen. Heutzutage werden ja viele Arztpraxen und sogar Krankenhäuser
    völlig überflüssigerweise beduftet. Dies bringt nicht "nur" für MCS-Betroffene massive Probleme mit sich, sondern auch Asthma-Patienten sind davon betroffen.

    http://blog.soziales-dorf.eu/module-news-display-sid-274.html

    Bezgl. Mitpatienten kann ich Dir nur empfehlen, Dir immer den allerersten Arzttermin
    geben zu lassen. Das klappt bei mir immer relativ gut.

    Liebe Grüße,
    Maria
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