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Soziales Dorf: Projektstand

Umweltgifte bergen Langzeitschäden für Umwelt und Gesundheit

Eingereicht von Maria Herzger am 20. Jan 2011 - 09:00 Uhr             Seitenaufrufe: 6666

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Der Schutz der Umwelt zählt zu den wichtigsten globalen Herausforderungen, die es in unserer hochtechnisierten Zeit umzusetzen gilt. Schadstoffbelastungen der Außen- und Innenraumluft, von Grund und Boden, der Gewässer sowie unserer Nahrungsmittel nehmen weltweit kontinuierlich zu. Der aktuelle Dioxin-Skandal verdeutlicht die Notwendigkeit umfassenden Verbraucherschutzes, der leider durch mangelnde Kontrollmechanismen sowie Sparen am falschen Ende, allzu oft ins Hintertreffen gerät.

Täglich neue Chemikalien - ohne Risikoentwarnung für Mensch & Umwelt

Diese allgemeine Entwicklung ist besorgniserregend, da die Umweltverschmutzung nicht „nur“ der Umwelt schadet, sondern auch verstärkt dem Gesundheitszustand der Bevölkerung zusetzt und auch vor der Tierwelt keinen Halt macht. Die weltweite Chemikalienproduktion wächst weiterhin rasant, wobei die Entwicklungsländer seit einigen Jahren bei diesem Trend eindeutig die Nase vorn haben. Hinzu kommt, dass die Chemiekonzerne täglich neue Substanzen auf den Markt bringen, ohne dass deren Auswirkungen für Mensch und Umwelt wissenschaftlich erforscht sind. 

Krankheiten durch Chemikalien im Alltag sind zunehmend

Unzureichender Arbeitsschutz, Wohnraumgifte im häuslichen Umfeld und Chemikalien in Alltagsprodukten, führen verstärkt zu umweltbedingten Gesundheitsstörungen in der Bevölkerung, wie beispielsweise zu Multipler Chemikaliensensitivität, kurz MCS genannt. Bei dieser organisch bedingten und unheilbaren Umwelterkrankung reagieren die Betroffenen auf geringste Schadstoffkonzentrationen (Niedrigdosisbereich) in ihrem Umfeld, die bei gesunden Menschen keine Beschwerden hervorrufen. Die Erkrankung kann durch eine einmalige hohe Schadstoffexposition, ebenso durch einen anhaltenden schleichenden Prozess über einen längeren Zeitraum, ausgelöst werden.

Oftmals ist ein direkter Zusammenhang zwischen Erkrankung und der tatsächlichen Ursache nicht mehr herzuleiten, da es Chemikalien gibt, bei denen es erst viele Jahre nach Kontakt zum eigentlichen Krankheitsausbruch kommen kann. So auch u. a. bei den hochgradig krebserregenden wie auch erbgutschädigenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die in vielen Produkten des Alltags vorkommen können.

Die Hersteller derart gesundheitsgefährdender Produkte haben demnach keine Regressansprüche zu befürchten, die Leidtragenden dieses mangelhaften Gesundheitsschutzes sind wir alle.

Viele Langzeitgifte in Industrie-fernen Regionen nachweisbar

Bei der Vielzahl der weltweit existierenden Chemikalien gibt es jede Menge Schadstoffe, die nur schwer abbaubar sind und sich über Jahre hinweg in der Umwelt anreichern. Man spricht hierbei von Dauergiften, die man auch als POPs (persistent organic pollutants) bezeichnet. Sie zählen zu den schlimmsten Sünden der Chemie-Industrie, da sie neben ihrer negativen Langzeitwirkung weitere nachteilige Eigenschaften aufweisen. POPs haben die Fähigkeit sich im menschlichen Organismus, in Tieren und Pflanzen einzulagern. Das Fatale ist, sie können sich über Wasser und Luft auf unserer Erde schier grenzenlos verbreiten und sind deshalb auch in den entferntesten Winkeln unserer Erde nachweisbar, auch dort, wo keinerlei Industrie ansässig ist. In den meisten westlichen Industrieländern wurden DDT und PCBs in den 1970er Jahren verboten. Dioxine, PCB, halogenierte Flammschutzmittel, Phthalate, Organochlorpestizide, künstliche Moschusverbindungen und TBT zählen ebenfalls zur Klasse der POPs.

DDT - Insektenbekämpfung mit weitreichenden Folgen

DDT war jahrzehntelang das weltweit am meisten eingesetzte Insektizid. Es galt als leicht herzustellen und wurde damals für Säugetiere als gering toxisch eingestuft. Heute ist man eines Besseren belehrt, denn viele Schadinsekten wurden mit der Zeit gegen das Gift resistent, während zahlreiche Nützlinge dadurch komplett ausgerottet wurden. Hinzu kommt, dass DDT fettlöslich ist und sich deshalb im menschlichen Organismus wie auch im Gewebe von Tieren anreichern und letztendlich in die Nahrungskette gelangen kann. Aufgrund des Verdachts Krebs auszulösen, wurde DDT in vielen Industriestaaten schließlich verboten. Seit Inkrafttreten der Stockholmer Konvention 2004 darf DDT „nur“ noch zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten, vorwiegend zur Malariabekämpfung eingesetzt werden. Demnach kommt es weiterhin zu einer anhaltenden Belastung der Umwelt – das Dauergift wirkt also ungebremst weiter.

Dioxine – hochgradig giftige Verbrennungsrückstände

Als Dioxine bezeichnet man eine Vielzahl hochgiftiger chlorhaltiger Dioxine und Furane, die als Verbrennungsrückstände z. B. durch Müllverbrennungsanlagen entstehen. Aufgrund der Verbreitung über Luft, Wasser und Ausbringen von Klärschlamm als Dünger, gelangen Dioxine in die Nahrungskette. Deshalb werden auch immer wieder Dioxin-belastete Lebensmittel ausfindig gemacht. Dioxine haben die Eigenschaft sich im Körperfett anzureichern und können beim Menschen schwerwiegende Erkrankungen verursachen, wie z. B. Hautschäden – Chlorakne, Leberschäden, Schäden an Nerven- und Immunsystem und können in den Hormonhaushalt eingreifen sowie Krebs erregen. Dramatisch ist, dass Dioxine lt. wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Muttermilch auf die Kinder übertragen werden und bei diesen zu erheblichen Entwicklungsstörungen führen können. Das giftigste sowohl auch bekannteste Dioxin ist TCDD, das bei dem Chemieunfall in Seveso (Serveso-Gift) freigesetzt wurde.

PCB – seit langem verboten, wirkt noch immer…

PCB wurde in den 70er und 80er Jahren in Deutschland großzügig im Bau verarbeitet und ist seit 1989 verboten. Experten warnen heute noch vor der Langzeitwirkung des als krebserregend, erbgutschädigend sowie neurotoxisch geltenden Dauergiftes. PCB kann über die Atmung in den menschlichen Körper gelangen und zu schweren Gesundheitsstörungen führen. Immer wieder kommen PCB-Skandale zutage, wie beispielsweise der Sanierungsfall der Erich-Kästner-Realschule in Hermeskeil und der Envio-PCB-Skandal in Dortmund. Die Opfer erfahren in der Regel keinen Rückhalt durch die Behörden, sondern erleben Verharmlosung und werden förmlich im Regen stehen gelassen.

Asbest – verursacht weiterhin Neuerkrankungen mit Todesfolge

Asbest wurde in den 60er und 70er Jahren auf Grund seiner damals geschätzten Eigenschaften wie Säurebeständigkeit, Isolationsfähigkeit, Feuerfestigkeit und Stabilität häufig als Baumaterial, beim Brandschutz und in der Autoindustrie eingesetzt. Ebenso wie beim Umweltgift PCB, geraten immer wieder Skandale an die Öffentlichkeit, wie z. B. Asbest-belastete Schulgebäude. Das Beispiel Asbest verdeutlicht wie gesundheitsgefährdend sich Langzeitgifte auswirken können. Nach Kontakt mit dem natürlich vorkommenden Fasermineral können bis zu 30 Jahre vergehen, bis es zum eigentlichen Krankheitsausbruch kommt. Asbest kann zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Lungenkrebs, Asbestose (Staublunge), Kehlkopfkrebs, Bauchfellkrebs, Rippenfellkrebs und chronischen Atemwegserkrankungen führen. Infolge der langen Wirkdauer ist auch zukünftig mit vielen Neuerkrankungen und Todesfällen durch Asbest zu rechnen.

Verantwortungsvolles Handeln notwendig - für eine lebenswerte Zukunft

Das Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF berichtet über die erhebliche Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung der Färöer-Inseln durch kontaminiertes Walfleisch. Viele vom Menschen verursachte Umweltgifte wie beispielsweise PCB und Methyl-Quecksilber, reichern sich auch in den am Ende der Nahrungskette stehenden Walen an. Die Meeressäuger zählen zu den Delikatessen für die Inselbewohner. Lt. Ausführungen der Wissenschaftler des WDSF ist Walfleisch hundertmal höher belastet als andere Fischarten und müsste nach EU-Vorschriften als Sondermüll behandelt werden. Die verursachten Gesundheitsstörungen sind gravierend: Impotenz und Vergiftungen bis hin zum Tod durch Industrie-Chemikalien, so lauten die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler.

Die dramatischen Auswirkungen der Dauergifte verdeutlichen, wie fragil unser Ökosystem letztendlich ist und dass vom Menschen produzierte Chemikalien sowie der sorglose Umgang damit, der Umwelt gravierende Langzeitschäden zufügen und erhebliche, oftmals irreparable Gesundheitsstörungen verursachen können. Umweltorganisationen setzen sich dafür ein, dass hochgiftige Umweltschadstoffe weltweit durch weniger gefährliche Stoffe ersetzt und die Sicherheitsstandards verbessert werden. Verantwortungsvolles Handeln von Industrie und Politik ist unerlässlich, um Veränderungen zu bewirken, die unsere Gesundheit schützen und unseren Folgegenerationen ein lebenswertes Leben auf unserem Planeten ermöglichen, anstatt ihnen ein Feld der Verwüstung zu hinterlassen.

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Ein Beitrag von Maria Herzger



Anmerkungen:
FOTO: Pixelio / Dieter Schütz


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  1. Natur,Umwelt : Umweltgifte..
    ..Verantwortungsvolles Handeln von Industrie und Politik ist unerlässlich..
    Zitat aus dem Bericht. Das sagte eigentlich schon alles.
    Wir sind ein sogenanntes christliches Abendland und da sollte so ein Handeln selbstverständlich sein.

    Ein super gut geschriebener Bericht.

    Ich glaube die Problematik die in dem Bericht beschrieben wird zu kennen.

    Lebe in der Nähe einer Erdölraffinerie, zum Glück die Windrichtung ist so , dass selten der Wind von der Erdölraffinerie kommt. Aber schon öfter habe ich Kopfschmerzen nach einer Nacht gehabt. Was stellt sich dann raus nach dem Aufwachen, ach ja die Erdölraffinerie hat mal wieder den Gestank rüber geschickt. Ein Bekannter der in der Branche arbeitete, sagte mir die könnten viel besser filtern, tun die aber nicht, die erfüllen nur die gesetzlichen Auflagen. Ich vermute das da sogar noch gemogelt wird, denn manch mal kommen recht schwarze Rauschschaden aus den Schloten.

    Wir sollten endlich aufhören so viel (Müll) überhaupt zu produzieren und mehr auf Energieeffizienz setzen.

    Nur noch Güter die langlebig sind und keinen Schaden an Mensch und Tier anrichten, produzieren. Aber davon sind wir meilenweit entfernt, was anscheinend nur zählt von Jahr zu Jahr Wachstum, der uns aber wenn wir so weiter machen letztlich umbringt. Der Bericht bringt es ja anschaulich auf dem Punkt so geht es nicht weiter.

    Gruß Fox und danke für den Bericht.
  2. Hallo Fox,

    Danke für Deinen Kommentar.

    Zitat: "Wir sollten endlich aufhören so viel (Müll) überhaupt zu produzieren und mehr auf Energieeffizienz setzen.

    Nur noch Güter die langlebig sind und keinen Schaden an Mensch und Tier anrichten, produzieren. Aber davon sind wir meilenweit entfernt, was anscheinend nur zählt von Jahr zu Jahr Wachstum, der uns aber wenn wir so weiter machen letztlich umbringt..."

    Leider gerät der Umweltschutz zu sehr in den Hintergrund, denn es ist genau wie Du sagst, das Wirtschaftswachstum zählt an erster Stelle. Nur noch Güter in Umlauf zu bringen, die keinen Schaden für Mensch, Tier und Umwelt anrichten, das sollte das allgemeine Ziel sein. Energieeffizienz wäre ebenfalls angebracht, denn viele Elektrogeräte sind die reinsten Energieschlucker. Doch von all dem sind wir weit entfernt, wie auch der aktuelle Dioxin-Skandal verdeutlicht.

    Auch ist das Umweltbewusstsein bei der Allgemeinheit recht weit abgerutscht. So viel Müll wie heutzutage in der Natur herumliegt, gab es früher bei weitem nicht. Durch Verwitterung des Mülls gelangen ebenfalls viele Schadstoffe in die Umwelt. Doch das scheint vielen Leuten hierzulande egal zu sein. Diese völlig überflüssige Umweltverschmutzung wäre mit Leichtigkeit vermeidbar - begreifen kann ich einen derartigen Umgang mit unserer Umwelt nicht.

    Viele Grüße,
    Maria
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