Nahrung ist nicht „nur“ überlebensnotwendig sondern weitaus mehr, denn Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen, so ein altes Sprichwort. Nahrung ist somit ein überaus wichtiges und beachtenswertes Element unseres Daseins. Statt die Schätze, die die Natur hervorbringt angemessen zu würdigen, gehen jedoch gerade die im „Schlaraffenland“ lebenden Industrienationen zum Teil sehr achtlos damit um. Ein unermesslicher Anteil der Lebensmittel landet hier leichtfertig auf dem Müll, während anderenorts auf der Welt unvorstellbarer Hunger und großes Elend herrschen. Ebenso geht in den Industrieländern die Fähigkeit des Kochens mehr und mehr verloren. Gesunde Ernährung sowie gemeinsames Essen und das dabei früher „zelebrierte“ soziale Miteinander gelangen verstärkt in den Hintergrund. In der Hektik des Alltags wird durch den modernen Lebensstil unserer Zeit zunehmend nur noch nebenbei gegessen. Fastfood steht hoch im Kurs, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, und ist weltweit auf dem Vormarsch.
Wirtschaftsinteressen contra Umwelt und Qualität
Die konventionelle, intensiv betriebene Landwirtschaft ist flächendeckend auf Ertragsreichtum und einheitliche Optik getrimmt. Infolgedessen wurden alte und vielfach gegen Schädlinge und Krankheiten robuste Getreide-, Obst- und Gemüsesorten von Neuzüchtungen verdrängt, was einen erhöhten Pestizideinsatz nach sich zieht. Die neuen „Früchtchen“ können den altbewährten Spezies in vieler Hinsicht das Wasser nicht reichen, so auch bezüglich ihres Aromas. Historische Obst- und Gemüsesorten sind zudem überwiegend anspruchslos gegenüber Wetter- und Bodenverhältnissen und benötigen keine umweltbelastenden Kunstdünger, um dennoch passable Ernteergebnisse zu erlangen.
Pestizide bergen Gesundheitsrisiken – Verbraucherschutz unzureichend
Sich tatsächlich gesund zu ernähren ist mit konventionell erzeugten landwirtschaftlichen Produkten sicherlich schwieriger als gedacht. Zwar gelten Obst, Gemüse und Getreide dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente als äußerst gesunde Lebensmittel, doch der Schein trügt, wie so oft im Leben. Herkömmlich erzeugte landwirtschaftliche Nahrungsmittel stehen immer wieder in der Kritik von Umweltorganisationen, auf Grund der u. a. stetig nachgewiesenen Rückstände an Pestiziden. Oftmals werden bei Lebensmittelproben viele unterschiedliche toxische Substanzen dingfest gemacht, Experten sprechen von regelrechten Giftcocktails. Toxikologen und Umweltmediziner warnen vor verstärkten Wechselwirkungen mehrerer Pestizide untereinander und somit vor erhöhten Gesundheitsrisiken – behördlicherseits wird die Problematik hingegen allzu oft bagatellisiert.
Greifender Verbraucherschutz ist demnach weiterhin Fehlanzeige, denn die Belastung an Spritzmittelrückständen in unserem Essen ist in der Vergangenheit EU-weit massiv angestiegen, Kontrollen werden auf Grund von Sparmaßnahmen nur stichprobenartig vorgenommen. Die Verwendung mehrerer unterschiedlicher Pestizide erleichtert den konventionellen landwirtschaftlichen Betrieben die Einhaltung der einzelnen Grenzwerte erheblich und ist als Augenwischerei anzusehen. Die Verbraucher haben das Nachsehen, denn besonders für Kinder besteht oftmals akute Gesundheitsgefahr durch die Mehrfachbelastung an Pestiziden. Bekanntlich können Gifte in unserer Nahrung schwer krank machen und sogar Langzeitschäden hervorrufen. Viele Agrargifte gelten als krebsauslösend und können das Nerven-, Immun- und Hormonsystem sowie das Erbgut nachhaltig schädigen. Ebenso belegen wissenschaftliche Studien, dass bestimmte Pestizide wie auch Azofarbstoffe für die Entstehung von ADHS als mitverantwortlich anzusehen sind. Somit ist auch in dieser Hinsicht besonders die Gesundheit der Kinder erheblichen Risiken ausgesetzt. Doch nicht „nur“ die Gesundheit der Konsumenten steht auf dem Spiel, sondern auch die von Landwirten und Anwohnern an landwirtschaftliche Flächen.
Zusatzstoffe, Pestizidrückstände, Nanotechnologie und Gentechnik verderben den Appetit
Die Kombination von Zusätzen wie beispielsweise von Aromen, Geschmacksverstärkern, Farb- und Konservierungsstoffen, Stabilisatoren, Zuckeraustauschstoffen sowie von Pestizidrückständen und Schwermetallen in unserem Essen, bleibt sicherlich nicht folgenlos. Nachweislich reagieren immer mehr Menschen allergisch auf Nahrungsmittel, gerade bei Kindern haben sich Lebensmittelallergien und Überempfindlichkeiten in den letzten Jahren vervielfacht. Viele Zusatzstoffe stehen u. a. als allergiefördernd bzw. –auslösend in öffentlicher Kritik. Knallbunte Süßigkeiten oder cremige Joghurts etc. - heutzutage gibt es kaum ein herkömmlich erzeugtes Produkt, welches keine Schadstoffcocktails enthält.
Neben Pestiziden und chemischen Zusatzstoffen beinhalten unzählige Nahrungsmittel heutzutage jedoch weitaus mehr Unliebsames, als vielfach angenommen. Zum einen gewinnt die Nanotechnologie wachsenden Einzug bei der Lebensmittelproduktion, ohne dass der Verbraucher davon erfährt. Denn derzeit besteht dafür keine Deklarationspflicht, ebenfalls gibt es per dato keine wissenschaftliche Entwarnung, für deren gesundheitliche Unbedenklichkeit. Hinzu kommt, dass es in Deutschland für die Konsumenten sehr undurchsichtig ist, in welchen Nahrungsmitteln gentechnischveränderte Organismen, sogenannte GVOs, verarbeitet wurden. Absolute Garantie für Gentechnikfreiheit gibt es nicht, jedoch kann man sich beim Kauf von biologisch erzeugten Produkten relativ sicher sein.
Bio-Lebensmittel fördern Gesundheit, Tier- und Umweltschutz
sowie Nachhaltigkeit
Angesichts der vielen negativen Meldungen rund um unser Essen, kann einem der Appetit sicherlich voll und ganz vergehen. Dass es auch anders laufen kann, belegen Untersuchungsergebnisse von Öko-Ware. Regionale und saisonale Produkte aus biologischem Anbau und ökologischer Tierhaltung haben die Nase vorn in der Umweltbilanz, da bei der Produktion weder chemische Pestizide, Kunstdünger noch die Gabe von Antibiotika erlaubt sind. Bonuspunkte erwirkt der Verbraucher beispielsweise auch beim Einkaufen in Dorf- und Hofläden, da das Warenangebot dort überwiegend mit saisonalen und regionalen Produkten aufwartet und hierbei keine weiten und umweltschädigende Transporte anfallen. Hinzu kommt, dass bei loser Ware wie Obst und Gemüse so gut wie keine Plastikverpackungen zum Einsatz kommen, die jedoch in vielen Bio-Supermärkten einen negativen Beigeschmack für diese Öko-Produkte aufkommen lassen. Denn Weichmacher & Co. lassen auch hier grüßen, abgesehen von den Negativaspekten bei der Produktion und dem unnötig entstehenden umweltbelastenden Abfall.
Mit dem Erwerb von Bio-Lebensmitteln erhält man nicht „nur“ Qualität, sondern man nimmt damit entscheidenden Einfluss auf die eigene Gesundheit und fördert zudem Umweltschutz und Artenvielfalt. Denn im biologischen Landbau ist die Verwendung toxischer Pestizide verboten. Hingegen setzt man hier auf biologischen Pflanzenschutz, beispielsweise durch den Einsatz von Nützlingen. Dies schont die Umwelt und wahrt gleichzeitig die Biodiversität, denn mit dieser Vorgehensweise wirkt man dem im konventionellen Anbau durch Pestizide verursachten Artensterben entgegen.
Nachhaltiges Kaufverhalten beeinflusst Tierhaltung, Artenvielfalt, Umweltschutz und Klimawandel
Die Deutschen sind in der EU am wenigsten dazu bereit, für qualitativ hochwertigere Nahrungsmittel, höhere Preise zu zahlen. Dies ist ein trauriges Schauspiel, denn für Statussymbole wie Autos & Co. sitzt das Geld hierzulande erheblich lockerer. Dabei würde ein wachsender Bedarf an Bio-Produkten auch die Preise purzeln lassen – Nachfrage regelt bekanntlich den Preis. Der daraus resultierende gesteigerte Bedarf an ökologisch bewirtschafteten Anbauflächen, käme als Zusatzeffekt der Umwelt und dem Artenschutz zugute. Sicher kaum bedacht und vielfach auch verdrängt, doch mit dem ungebremst wachsenden Fleischkonsum, sind die Verbraucher maßgeblich an der
beteiligt.
Mit dem Entscheid für biologisch erzeugte Ware lässt sich diese Negativentwicklung entschieden eindämmen. „Weniger ist mehr“, dieses weise Sprichwort hat auch heute in Bezug auf den Fleischverzehr seine absolute Daseinsberechtigung. Denn die wachsende Gier nach Fleisch wird erst durch Dumpingpreise geweckt und ermöglicht. Anstatt den ablaufenden „Wahnsinn“ von Massentierhaltung und beschleunigter Klimaerwärmung zu fördern, ist man gut beraten, lieber seltener, dafür Fleisch aus biologischer Erzeugung zu wählen und dies, auch wenn man dafür tiefer in den Geldbeutel greifen muss. Mit dieser Einstellung würden der Konsum von Fleisch und das Essen schlechthin, auch wieder zu etwas ganz Besonderem werden. Der Genuss stände wieder im Vordergrund, anstatt sich mit Gammelfleisch von gequälten Tieren vollzustopfen.
Der diesjährige Dioxinskandal hat bei vielen Verbrauchern kurzfristig kritisches Einkaufen bewirkt, der Run auf Bio-Eier war groß. Doch inzwischen ist wieder „Normalität“ eingekehrt, so als sei dies alles nicht gewesen. Das Einkaufsverhalten ist wieder geprägt von allgemeiner Gleichgültigkeit bezüglich Umwelt und Gesundheit und Sparsamkeit am falschen Ende.
Wertschätzung und Nachhaltigkeit im Umgang mit
Nahrung sind angesagt
Nahrungsmittel sind kein selbstverständliches Mittel zum Zweck, sondern sie dienen dem Überleben und erfreuen uns zudem, bei kreativer Zubereitung und entsprechender Würdigung, oftmals mit himmlischen Geschmackserlebnissen. Bedauerlicherweise ist das Nahrungsangebot auf unserer Erde ungleich verteilt und nicht allen Menschen gleichermaßen zugänglich, hingegen kämpfen viele gegen für uns unvorstellbaren Hunger und ums nackte Überleben. Denn es kommt entschieden darauf an, wo und in welche Verhältnisse man geboren wird bzw. in welchen Lebensumständen man selbst lebt. Beispielsweise bleibt auch hierzulande vielen sozial Benachteiligten der Kauf von Bio-Lebensmitteln mangels finanzieller Mittel verwehrt, wirklich gesunde Ernährung ist für viele Menschen quasi unerreichbar. Von daher sollte unser Essen gewürdigt und geschätzt werden, denn vielfach widerfährt unserer Nahrung nicht der Stellenwert, den sie eigentlich verdient, stattdessen wird sie viel zu sehr als Selbstverständlichkeit angesehen. Doch genau das ist sie eben nicht, schaut man auf das Hungerelend in der Welt. Anstatt aus Profitgier und Wirtschaftsinteresse wie auch durch sorgloses Konsumverhalten Gesundheitsschäden, Tierquälerei, Klimaerwärmung, Umweltzerstörung und Artensterben zu fördern, sollten wir lernen unser Essen nachhaltig zu schätzen und zu achten, wir sollten dankbar dafür sein, denn Nahrungsmittel sind die Schätze der Natur.
[1]Autorin: Maria Herzger [2]
Kommentare
Neuen Kommentar hinzufügen [35]Ich lebe in einem Dorf (eigemeindet in eine Stadt) und in meiner Kindheit waren die Bauern, man kann fast sagen, noch Biobauern.
Das Futter für das Vieh wurde zum größten Teil aus der eigenen Landwirtschaft gewonnen,
Massenviehhaltung unbekannt. Kurze Wege der Milchlieferanten (Bauern , Genossen der Molkerei ) zur Molkerei in dem Dorf . (Raiffeisengenossenschaft).
Die kleine Molkerei wurde ca. 1968 geschlossen. Warme Molke wurde als Viehfutter von der Molkerei mit zurückgenommen, heute ist es Trockenfutter.
Heute wohin das Auge schaut fast nur noch Mais auf den Ackerflächen. "Und ewig stinken die Felder" hörte ich mal und leider sehr oft ist es hier jetzt so. Schutzhecken an den großen Äckern so gut wie unbekannt.
Ein Sandsturm kam hier vor kurzem von einem Acker. Ich habe das Problem angesprochen, aber auf gut deutsch keine Sau interessiert sich dafür, nein vor kurzem wurden noch mehr Sträucher an diesem Ackerrand abgehauen.
Ich nehme nur noch Bionahrung, viel vom Wochenmarkt und zwar direkt vom Biobauern aus einer Nachbargemeinde. Den Rest hole ich vom Bioladen.
Ich habe letztens für den Kirchenchor (ich singe da) mit, mehrere Kuchen auf Biobasis ( Apfeldinkelkuchen usw gebacken.
Also die Leute vom Chor waren begeistert und haben mir ein schönes Geburtstagständchen gegeben.
Was gibt es Bessere als Chormusik - Musik und prima Nahrung.
Der Blog ist unglaublich gut
und lesenswert, die bester Reklame für Bionahrung kann man machen, in dem man sie Leuten serviert.
Gruß Fox
danke für Deinen interessanten Kommentar. Ja genau so ist es, früher war die Ernährung weitaus gesünder als heute. Es gab auch nicht so viel Fleisch auf die Teller und die Nahrung war nicht so vollgepackt mit Zusatzstoffen, die vielfach zu Gesundheitsstörungen führen. Kein Wunder dass es per dato keine Allergietests gibt, die eine Allergie auf Lebensmittelzusatzstoffe nachweisen. Die Industrie ist logischerweise nicht an derartigen Untersuchungen interessiert.
Man bedenke, in den neuen Bundesländern gab es früher zu DDR-Zeiten kaum Allergien. Mittlerweile ist dort der gleiche Krankenstand bzgl. Allergien zu verzeichnen wie bei uns. Die neuen Bundesbürger haben "Dank" des so hochgelobten Lebensstandards mit all seinen Nahrungsmittel und schadstoffbelasteten Produkten des täglichen Lebens, wie bspw. Parfüm & Co., mächtig aufgeholt.
Es freut mich, dass Du komplett auf Bio-Lebensmittel umgestiegen bist.
Bedauerlicherweise hält im allgemeinen die Nachfrage nach Bio-Produkten nur bei Lebensmittelskandalen an, ansonsten gilt bei der Schar an Konsum-orientieren Verbrauchern größtenteils das Motto: "Hauptsache billig":
http://www.swr.de/betrifft/billig-dumping-produktion-lohn/-/id=98466/nid=98466/did=6145680/1fb5h4b/index.html [37]
Schöne Grüße,
Maria [38]