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Newsbeiträge
Gesundheitsrisiken durch Duftstoffe - schwerwiegende Langzeitschäden nicht ausgeschlossen
Alle Jahre wieder rührt die Duftstoffindustrie besonders in der
Vorweihnachtszeit die Werbetrommeln, was ihre Absatzzahlen vermutlich
auf ein himmlisches Rekordniveau beflügelt. Die unkontrollierbare
Dauerberieselung mit Duftstoffen im Alltag wird jedoch zunehmend zum
Problem in der Bevölkerung, denn die Zahl derjenigen, die sich dadurch
belästigt fühlt und darüber hinaus zum Teil irreparable
Gesundheitsschäden davonträgt, ist tendenziell ansteigend.
Toxische Chemikalien - Verbraucher als Versuchskaninchen
Beduftete Produkte erfreuen sich in den letzten Jahren kontinuierlich wachsender Beliebtheit und lassen die Kassen der Duftstoffproduzenten kräftig klingeln. Dass deren Anwendung mögliche Gesundheitsrisiken birgt, ist der Mehrheit der Konsumenten jedoch völlig unbekannt. Von den ca. 3.500 verschiedenen von der Industrie verarbeitenden Aromastoffen, unterliegen lediglich 26 der Deklarationspflicht. Immer wieder warnen Mediziner, Toxikologen und Verbraucherschutzorganisationen vor möglichen schwerwiegenden Gesundheitsschäden durch synthetische Duftstoffe. Denn die Wirkweise der zum Einsatz kommenden Chemikalien auf die Gesundheit der Verbraucher ist laut heutigem Stand der Wissenschaft kaum untersucht. Ebenso bergen Duftstoffe ein enormes Allergie-auslösendes Potential, immerhin stehen sie in der Rangfolge an zweiter Stelle direkt hinter Nickel. Während hierbei lediglich die Entstehung von Kontaktekzemen erfasst wird, bleiben weitere Gesundheitsstörungen auf die toxischen Substanzen in der Statistik nach wie vor unberücksichtigt. [1,2,3,4]
Toxischer Duftcocktail - Duftstoffallergien sind auf dem Vormarsch
Man sollte sich dessen bewusst sein, Duftstoffe sind u. a. VOCs (flüchtige organische Verbindungen), Alkohole, Aceton, Terpene und viele weitere Chemikalien, die in der Medizin dafür bekannt sind, dass sie Asthma, Kontaktekzeme, Allergien, Duftstoffallergien, Überempfindlichkeiten, Krebs und andere Erkrankungen auslösen können. [3,4,5] Oftmals werden in einem parfümierten Produkt ganze Giftcocktails von mehreren Hundert verschiedenen Chemikalien verarbeitet, deren Wirkmechanismen untereinander wissenschaftlich bisher völlig unerforscht sind. Eine vom Umweltbundesamt in Berlin in Auftrag gegebene Studie belegt, dass in Deutschland mittlerweile mehr als eine halbe Mio. Duftstoffallergiker zu verzeichnen sind. Demzufolge empfiehlt das UBA, mit der Verwendung von Raumsprays, Duftlampen, Räucherstäbchen und ähnlichen Produkten sowie mit Wellness- und Aromatherapie äußerst zurückhaltend umzugehen. [1]
Duftstoffe schädigen Menschen, Tiere und die Umwelt
Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge können Duftstoffe nicht nur durch Hautkontakt Allergien auslösen, sondern ebenso über die Atemluft Gesundheitsschäden hervorrufen. Laut. Ausführungen von Frau Prof. Claudia Traidl-Hoffmann vom Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM) an der TU München, können die toxisch wirkenden Substanzen über die Atmungsorgane und die Haut in den Organismus gelangen und sich dort über das Blut im ganzen Körper verteilen. Dort können sie an den menschlichen Zellen Entzündungsprozesse verursachen, die wiederum die Entstehung von Allergien fördern bzw. deren Intensität verstärken. Zudem sind viele Duftkomponenten fettlöslich und können sich somit im menschlichen Fettgewebe einlagern. Als weiterer Negativaspekt kommt hinzu, dass sich die Giftstoffe nicht „nur“ im Menschen, sondern auch in Tieren und in der Umwelt anreichern.
Demnach ist anzuraten, kritisch hinter die Kulissen der Werbung zu schauen und die vermeintlich Wohlbefinden-fördernden Düfte, zurückhaltend einzusetzen. Als bedenklich ist es anzusehen, dass die Verbraucher kaum etwas darüber erfahren, welchen Gesundheitsrisiken sie durch Duftstoffe aufgrund der eigenen Anwendung wie auch durch die vielfach unfreiwillige und unausweichliche Konfrontation in der Öffentlichkeit, ausgesetzt sind. Ebenso ist es völlig unverständlich und nicht hinnehmbar, dass das sogenannte Airdesign bzw. Duftmarketing gerade in Arztpraxen und Kliniken, also an Orten, die eigentlich der Gesundheit dienen sollten, wachsende Anwendung findet. [3,4]
Toxikologen mahnen: „Duftstoffe haben in der Innenraumluft nichts zu suchen“
In dem Ende Oktober im WDR-Fernsehen ausgestrahlten Filmbeitrag des Magazins Markt „Raumsprays: Düfte aus der Dose“, wird ebenfalls verdeutlicht, dass Duftstoffe erhebliche Gesundheitsrisiken bergen. Der Toxikologe Dr. Hermann Kruse von der Universität Kiel kritisiert die unbekannte Zusammensetzung der vielfältigen Duftcocktails, die die Gesundheit der Verbraucher extrem schädigen können. Toxische Institute verzeichnen in den letzten Jahren verstärkten Zulauf von Patienten, die unter anderem über Konzentrationsstörungen, Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen und weitere Gesundheitsstörungen klagen. „Duftstoffe haben in der Innenraumluft und in der Umgebung von Menschen nichts zu suchen“, so der Toxikologe.
Das Verbrauchermagazin Markt berichtet ebenfalls über Frau Ecker, die seit vielen Jahren an Multipler Chemikalien Sensitivität - MCS, erkrankt ist und in ihrem Aktionsradius sehr durch Duftstoffe eingeschränkt ist. Selbst zu Hause ist sie nicht vor unliebsamen Düften sicher. Nach jahrelang durchlebter Ärzteodyssee hat sie bei einem Umweltmediziner endlich die Diagnose für ihre Gesundheitsstörungen erhalten und nunmehr ihre Lebenssituation an ihre Erkrankung angepasst. Jedoch ist sie sehr auf die Rücksichtnahme ihrer Familie angewiesen. Die Mehrheit der MCS-Patienten verträgt absolut keine Duftstoffe in ihrem persönlichen Umfeld, so dass für ihre Alltagsbewältigung eine weitaus umfassendere Rücksicht von Familienmitgliedern und Kontaktpersonen unabdingbar ist, als dies bei Frau Ecker im Filmbeitrag der Fall ist.
Dr. Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt in Berlin erläutert, dass man die Erkrankung ernst nehmen müsse, denn viele Patienten leiden daran, mit enormen Auswirkungen für die Betroffenen. Der Umweltmediziner gibt zu bedenken, dass die durch Düfte in die Atemluft eingebrachten VOCs und weitere Chemikalien, Beschwerden an den Schleimhäuten und Atemwegen verursachen können und die Innenraumluft generell verschlechtern.
Dr. Wolfgang Straff, UBA Berlin empfiehlt: „Wir brauchen diese Produkte nicht und würden empfehlen, sie wegzulassen.“ [5]
Unnötige Gesundheitsrisiken - Kollaps im System vorprogrammiert
Die Zahl der Duftstoffallergiker und MCS-Patienten, die aufgrund der Flut an Duftstoffen nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben können und deswegen sehr häufig unfreiwillig aus dem Erwerbsleben katapultiert werden, ist zunehmend. Umso bedenklicher ist die Tatsache, dass trotz der langjährigen und immer wiederkehrenden Warnungen kritischer TV-Dokumentationen, durch Umweltorganisationen, Toxikologen wie auch Umweltmedizinern und sogar mehrfach durch das UBA, greifende Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher durch die politischen Akteure weiterhin nicht in Sicht sind – außer Warnungen nichts gewesen.
Die weitreichenden und per dato vermutlich vielfach unterschätzten Auswirkungen des ungebremst stattfindenden Duftstoffwahns, werden sicherlich auch die Wirtschaft spürbar einholen. Bekanntlich konsumieren (Umwelt-)Kranke weniger und nicht mehr so unbeschwert - schon gar nicht, wenn sie aufgrund der allgegenwärtigen Dauerberieselung an Aromen und Düften, in ihrem Aktionsradius mehr und mehr eingeschränkt werden und ihr Zuhause kaum noch verlassen können, ganz zu schweigen von der finanziellen Misere, in die sie als Konsequenz ihrer irreparablen Gesundheitsschäden durch Chemikalien im Alltag, ohne Eigenverschulden hineingeraten.
Und solange an den derzeitigen Begebenheiten keine grundlegende Veränderungen stattfinden, werden weiterhin unzählige Patienten unnötigerweise mit ungeklärten Beschwerden die Wartezimmer der Ärzte füllen, sowie auf dem Arbeitsmarkt nicht voll leistungsfähig ihrem Job nachgehen können, die Krankenstatistiken füllen, langjährige Ärzteodysseen durchleben und letztendlich fortwährend bei den heute bereits angeschlagenen Sozialkassen, überflüssigerweise mit immensen Belastungen zu Buche schlagen, vom persönlichen Leid der Betroffenen einmal ganz abgesehen.
Autorin: Maria Herzger
Erstveröffentlichung bei The Intelligence
Quellen:
[1] Umweltbundesamt Berlin: Gesundheit und Umwelthygiene – Duftstoffe
http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/stoffe/duftstoffe.htm
[2] Lungenärzte im Netz: Paraffin in Duftkerzen kann die Atemwege reizen und Asthma hervorrufen
http://www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/linaktuell/show.php3?id=1982&nodeid=18
[3] hr-online: Lufterfrischer - Gift im Duft?
[4] Claudia Traidl-Hoffmann und Johannes Huss-Marp: Gesundheitliche Risiken durch Duftstoffe
[5] WDR-Fernsehen, Markt vom 24.10.2011: Raumsprays: Düfte aus der Dose
http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/1024/02_raumsprays.jsp
Links:
MCS-Patienten durch Fehldiagnosen im sozialen Abseits: http://blog.soziales-dorf.eu/module-news-display-sid-226.html
MCS-Betroffene: Unverschuldet mit großen Schritten in die Armut: http://blog.soziales-dorf.eu/module-news-displaypdf-sid-252.html
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Kommentare
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Gesundheitsrisiken durch Duftstoffe ..."Wie ohnmächtig auch die guten und gerechten Menschen sein mögen, sie allein machen das Leben lebenswert."
Das stand auf meiner kleinen Karte mit einem Stein von Meeressand umgeben.
Jeder der den Raum betrat bekam einen Stein und sollte dich dann die Karte suchen die zu dem Stein passt und dort Platz nehmen. Die Karten waren auf den Tischen verteilt. Auf jeder Karte war ein Stein abgebildet mit einem Spruch dazu. So kam eine neue Sitzordnung zu Stande
Ein schöner Einfall finde ich, es war zur Feier von einem Laien - Kirchenchor.
Der Autor dieses Gedichtes stand nicht auf der Karte.
Wieso schreibe ich dies, weil ich Menschen kenne die unsäglich unter diesen Duftstoffen leiden.
Ich habe den Eindruck auch sie sind ohnmächtig.
Der Spruch denke ich passt zu diesem Thema.
Meinen besonderen Dank gilt der Schreiberin für den tollen Bericht.
Gruß Fox -
Allgegenwart von Duftstoffen schränkt viele Menschen stark einLieber Fox,
vielen Dank für Deinen lieben Kommentar.
Es ist wie Du schreibst, viele Menschen, z. B. Duftstoffallergiker, Asthma-Patienen wie auch MCS-Betroffene sind in ihrem Handlungsspielraum extrem eingeschränkt, weil der Gebrauch von Duftstoffen so stark zunimmt und man quasi nirgends mehr hingehen kann, ohne mit Duftstoffen konfrontiert zu werden. Sogar im Wald ist dies der Fall, weil man eben auch dort auf parfümierte Leute treffen kann. Manch einer meint ja in Parfüm, Rasierwasser & Co. "baden" zu müssen und auch der Konsum an Weichspüler etc. nimmt stark zu. Doch kaum jemand weiß, dass man die eigene Gesundheit und auch die der Mitmenschen damit schädigen kann, und zwar auch mit Langzeitschäden. Daher versuche ihn mit meinen Berichten aufzuklären.
Denn besonders schlimm finde ich, dass somit auch die Gesundheit von Kindern unnötig geschädigt werden kann und die Eltern zumeist ahnungslos darüber sind. Vielfach erlebe ich aber auch, dass man über die möglichen Gesundheitsrisiken nichts hören mag und Duftstoffe stattdessen verteidigt werden, als wären sie ein Heiligtum.
Es herrscht überwiegend der Glaube, da die Produkte in den Verkaufsregalen stehen und auch jeder Star sein eigenes Parfum auf den Markt bringt, dass keine Gesundheitsrisiken bestehen. Leider ist dies ein Trugschluss. Wirtschaftsinteressen haben in Deutschland leider vielfach Vorrang vor Gesundheit und so lässt mein weiterhin zu, dass sich ahnungslose Verbraucher ihre Gesundheit mit Chemikalien in Alltagsprodukten schädigen und sogar ruinieren. Das ist sehr traurig, aber die bittere Realität, Verbraucher- und Gesundheitsschutz haben in Deutschland auf dem Gebiet leider das Nachsehen, die Hauptsache es werden dicke Geschäfte gemacht.
Liebe Grüße,
Maria



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