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Demonstration "Wir haben es satt!" – 23.000 verlangen von Merkel Neuausrichtung der Agrarpolitik
Verbraucherinnen und Verbraucher, Umweltorganisationen, Tierschützerinnen und Tierschützer, Imkerinnen und Imker, entwicklungspolitische Gruppen, Bäuerinnen und Bauern fordern Bauernhöfe statt Agrarindustrie. Bundesregierung soll Zukunft der Landwirtschaft sichern
Berlin: 23.000 Menschen haben heute in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche, ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft demonstriert. Verbraucher, Umwelt- und Tierschützer, Imker, Bäuerinnen und Bauern sowie entwicklungspolitische Gruppen zogen unter dem Motto "Wir haben es satt! – Bauernhöfe statt Agrarindustrie" zum Kanzleramt und verlangten von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik.
Die Veranstalter werfen der Bundesregierung vor, bei der Reform der
EU-Agrarpolitik vor allem Unterstützer und Steigbügelhalter für die
Agrarindustrie zu sein, anstatt die Forderungen der Zivilgesellschaft
durchzusetzen. Die Agrarzahlungen müssten an ökologische, soziale und
Tierschutzkriterien gekoppelt und für Großbetriebe gedeckelt werden,
verlangten sie. Sämtliche Subventionen für den Agrarexport seien zu
stoppen. Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus über 90
Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt-, Tier-,
Verbraucherschutz und Entwicklungszusammenarbeit aufgerufen.
Die
Nigerianerin Mariann Bassey, Sprecherin von Friends of the Earth, dem
internationalen Dachverband des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND), sagte: "Die Politik hat die schrankenlosen
Spekulationen auf Lebensmittel erst ermöglicht und ist gleichzeitig für
den Landraub für Futtermittel und Agrosprit in den Ländern des Südens
verantwortlich. Beides treibt die Lebensmittelpreise hoch und schließt
Hungernde vom Zugang zu fruchtbarem Land und zu Lebensmitteln aus. Für
das Menschenrecht auf Nahrung müssen Spekulation und der Agrospritboom
ausgebremst werden. Die europäische Agrarpolitik braucht eine Kehrtwende
weg von der Überproduktion und von Fleischexporten."
Die Köchin,
Gastronomin und Buchautorin Sarah Wiener sagte: "Jüngst wurden
antibiotikaresistente Keime in Hühnerfleisch gefunden - dies ist
vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben diese ständigen
Lebensmittelskandale satt. Es ist höchste Zeit, dass endlich
grundlegende Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir müssen weg von der
Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlichen und nachhaltigen
Landwirtschaft."
Der Bauer Moritz Schäfer von der jungen
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) betonte: "Unser
breiter Protest gegen die Agrogentechnik wirkt. Die BASF musste ihre
Gentech-Kartoffel in Europa aufgeben, da die gesellschaftliche und
bäuerliche Akzeptanz fehlt. Das ist auch eine schallende Ohrfeige für
die Bundesregierung, denn die Amflora von der BASF war die erste
Kartoffel, die es in einen Koalitionsvertrag geschafft hatte. Auch in
der EU-Agrarpolitik forciert Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner
bislang die Agrarindustrie. Und das obwohl die agrarindustriellen
Strukturen Klimawandel, Hungerkrisen und das Höfesterben verschärfen.
Die EU-Direktzahlungen müssen an Arbeitskräfte und Umweltleistungen
gebunden und nach oben gekappt werden und dürfen nicht die
Agrarindustrie mästen. Dann finden sie auch gesellschaftliche
Akzeptanz."
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, stellte fest:
"Es
geht um die Systemfrage: Lassen wir es weiter zu, Tiere in
Haltungssysteme zu zwingen, die ihnen Schmerzen und Leid zufügen? Denn
das ist heute Alltag für Millionen von Tieren. In den Intensivhaltungen
leiden sie direkt. Unter den Folgen leiden aber auch Umwelt, Bäuerinnen
und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbraucher. Daher braucht es den
Schulterschluss der gesellschaftlichen Gruppen. Wir kämpfen für mehr
Tierwohl im Stall, gegen Gentechnik-Futtermittelimporte aus Übersee und
für mehr Unterstützung der bäuerlichen artgerechten Landwirtschaft."
Presse-Team:
Jochen
Fritz, Kampagne "Meine Landwirtschaft", Mobil: 0171-8229719,
fritz@meine-landwirtschaft.de, Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin:
Mobil: 0175-7263779, reinhild.benning@bund.net, Yves Venedey, Campact
e.V. - Pressesprecher, Mobil: 01512-6846893, venedey@campact.de
Quelle: Pressemitteilung: BUND
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