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Roundup: Harmloses Herbizid oder gefährlich für Umwelt und Gesundheit?

Eingereicht von Maria Herzger am 22. Aug 2012 - 09:56 Uhr             Seitenaufrufe: 11324

Bild 0 für Roundup: Harmloses Herbizid oder gefährlich für Umwelt und Gesundheit?

Glyphosat ist der weltweit am meisten zum Einsatz kommende Wirkstoff in Herbiziden und wird überwiegend als Produkt von Monsanto unter dem Namen „Roundup“ vertrieben. Das beliebte Pflanzengift findet nicht nur in der großangelegten industriellen Agrarwirtschaft rege Anwendung, sondern gilt auch im heimischen Garten als Wunderwaffe gegen unliebsames Unkraut. Das als umweltverträglich angepriesene Breitbandherbizid steht jedoch auf Grund vielfältiger Studien immer häufiger in Kritik der Wissenschaft, die dem Pflanzengift schwerwiegende Risiken und Nebenwirkungen für Natur und Umwelt sowie die Gesundheit der Verbraucher anlasten.


Gefährliche Tücken – tückische Sorglosigkeit

Die Produzenten von Roundup versprechen Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt. Die Zulassung für den Unkrautvernichter erteilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig. Die Verbraucher verlassen sich vertrauensvoll auf die Behörden sowie die verharmlosenden Werbeslogans der Hersteller. Auf Grund der durchgreifenden Wirkung und bequemen Handhabe sind Roundup bzw. glyphosathaltige Herbizide bei Hobbygärtnern wie auch in der Landwirtschaft in der Beliebtheitsskala die absolute Nummer Eins. So findet das Unkrautvernichtungsmittel in vielen Gartenbereichen eifrige Verwendung, bspw. auf Gartenwegen, Rasen, Obst- und Gemüsebepflanzung oder in Blumenbeeten.

Außerdem greift man hierzulande gerne auf industriell genutzten Flächen sowie kommerziell betriebenen Weihnachtsbaumplantagen, bei kommunalen Betrieben, auf Bahngleisen und sogar auf Schulhöfen zu dem umstrittenen Pflanzengift. Unkrautfreiheit ist nicht nur der Wunsch eines jeden Gärtners, sondern auch in der kommerziellen Agrarwirtschaft angestrebtes Ziel. Sogar vor Ausbringung der neuen Saat fahren die Landwirte mit der Giftspritze über die Felder. Ebenso ist es gängige Praxis den Unkrautkiller noch wenige Tage vor der Getreideernte auszubringen, um damit den Reifezeit zu verkürzen. Dieses Verfahren wird als Sikkation bzw. Vorerntespritzung bezeichnet.

Doch die sorglose Bequemlichkeit hat ihren Preis, denn so harmlos wie die Werbung verspricht, wird der Unkrautvernichter seitens der forschenden Wissenschaft keinesfalls bewertet. Demnach lassen kritische Stimmen an dem weltweit gepflegten Saubermann-Image von Glyphosat und Roundup erhebliche Zweifel aufkommen, da in wissenschaftlichen Studien immer häufiger schwerwiegende Risiken für Mensch und Umwelt nachgewiesen werden.


Roundup forciert Anbau von Gen-Soja & Co.

Nach Ausbringen des Herbizides greift der Wirkstoff in den Stoffwechsel der behandelten Pflanzen ein. Durch Aufnahme des Giftes über die Blätter werden nunmehr lebensnotwendige Ablaufprozesse in den Pflanzen gehemmt, bis sie schließlich nach ca. einer Woche ganz absterben. Diese Eigenschaften machten die breitflächige Anwendung in der kommerziellen Landwirtschaft früher praktisch unmöglich, da neben Unkräutern auch die Nutzpflanzen vernichtet würden.

Dies rief die Entwicklung genveränderter Pflanzen auf den Plan, sog. GVOs – gentechnisch veränderte Organismen. Hierbei wurden Nutzpflanzen ein Enzym eingebaut, das Resistenzen gegen den Wirkstoff Glyphosat entfaltet und demzufolge den Giftregen auf dem Acker überlebt. Insbesondere der Anbau von Gen-Soja aber auch weiterer genmanipulierter Pflanzen wie bspw. Mais, Baumwolle, Raps und Zuckerrüben erleben einen ungebremsten Aufwind und fahren dem Konzerngiganten Monsanto, als führenden Hersteller des Wirkstoffs Glyphosat wie auch von genverändertem Saatgut, profitable Geschäfte ein. Die Hauptanbauregionen herbizidresistenter Pflanzen sind die USA, Kanada, Argentinien sowie Brasilien. Wobei Gen-Soja die Anbaustatistik mit immensem Abstand anführt, denn ca. 95 Prozent der erzeugten genveränderten Pflanzen in der herkömmlichen Agrarwirtschaft sind 2010 auf das Konto von Gen-Soja zu verbuchen.


Schwerwiegende Gesundheitsrisiken – Behördensumpf macht´s möglich

Nach Ausführungen des Umweltinstituts München e.V. wird glyphosatresistenes Gen-Soja bereits seit 1996 als Futtermittel in der EU verwendet. Beachtliche 36 Mio. t Roundup-Ready-Gen-Soja landen demnach jährlich in den Futtertrögen der Nutztiere. Somit ist auch der Weg auf unsere Teller geebnet. Notwendige Kontrollen von Lebensmittel auf mögliche Belastungen mit dem Herbizid und GVOs schlechthin, sind auf schwindendgeringe stichpunktartige Untersuchungen beschränkt oder bleiben in der Regel völlig aus. Doch nicht nur Rückstände von Glyphosat gelangen somit in die Nahrungskette, sondern auch POEA aus Glyphosat-Mischungen sowie deren Abbauprodukt AMPA. Diese beiden Wirkstoffe gelten als weitaus giftiger als Glyphosat selbst, zudem verstärken sie noch dessen Toxität und werden als krebsauslösend eingestuft.

Glyphosat hat die Eigenschaft sich hauptsächlich in Mais, Getreide und Soja anzureichern und die Rückstandskonzentration bei wiederholter Anwendung zu verstärken. Für das Abbauprodukt AMPA existiert für Soja-Bohnen in der EU kein Grenzwert. Mittlerweile übt Monsanto Druck auf die EU aus, um höhere Grenzwerte für Glyphosat in unseren Lebensmitteln zu erreichen.

Glyphosatrückstände konnten bereits in der Stallluft, in Rinderkot, in Tierfutter und sogar im Urin von Landwirten nachgewiesen werden. Zudem fördert der Einsatz von genverändertem Futter die Zunahme von Tierkrankheiten wie z. B. Botulismus. Zusammenhänge mit der umstrittenen Chemikalie wiegeln die Behörden jedoch vehement ab. Dabei sind jüngsten Studienergebnissen zufolge bereits geringste Konzentrationen von Glyphosat, AMPA und POEA stark gesundheitsgefährdend. Demnach können die Substanzen in den Hormonhaushalt eingreifen, erbgutschädigend und krebsauslösend wirken, Fruchtbarkeitsstörungen wie auch schwerwiegende Gesundheitsschäden an Leber und Nerven- und Immunsystem hervorrufen und die embryonale Entwicklung beeinträchtigen.

Das Umweltinstitut München e.V. gibt zu bedenken, dass man beim Anwenden von Glyphosat nicht nur einen Schutzanzug und Atemschutzmaske tragen müsste um Gesundheitsrisiken weitgehend auszuschließen, sondern sich auch im Umkreis von 500 m kein Lebewesen aufhalten dürfte. In Lateinamerika, wo Roundup großflächig per Flugzeug versprüht wird, sind die Anwohner dem Giftregen schutzlos ausgeliefert. Dort sind Missbildungen, Leukämie bei Kindern und Fehlgeburten in den letzten Jahren alarmierend angestiegen. Deutsche Behörden wiegeln ab und werten die Studien aus dem Ausland als unbrauchbar. Man sieht keinen Handlungsbedarf, stattdessen wird in großem Stil glyphosatbehandeltes Soja-Futter aus dem Ausland für Deutschlands stets vorangetriebene Massentierhaltung importiert. Untersuchungen auf Rückstände des Pflanzengiftes finden kaum bzw. nur in verschwindend geringem Ausmaß statt.


Vorerntespritzung bringt Glyphosat auf unsere Teller

Brot und Getreide, das aus sog. Vorerntespritzung stammt, ist offenbar mit Glyphosat kontaminiert. Dies geht aus Untersuchungsergebnissen des Verbraucherschutzministeriums von Nordrhein-Westfalen hervor, teilweise lag die Belastung über dem zulässigen Grenzwert. Trotzdem empfiehlt der Bauernverband den Landwirten auch weiterhin das in Kritik stehende Pflanzengift kurz vor der Getreideernte anzuwenden.

Die neusten Untersuchungsergebnisse der Universität Leipzig dokumentieren ebenfalls eine besorgniserregende Entwicklung. So wurde Glyphosat auch bei Probanden aus nichtländlichen Regionen, wie etwa aus Berlin, in allen Urinproben nachgewiesen. Das ist ein signifikanter Hinweis dafür, dass das Pflanzengift keinesfalls so schnell abbaubar ist, wie die Herstellerversprechen suggerieren und sich der Wirkstoff sehr wohl in der Nahrungskette anreichert.


Industriegeschenke an Monsanto & Co. machen den Weg frei

Wie so oft, beruht auch die Zulassung bei Glyphosat auf Studien von Monsanto und weiterer Produzenten wie Syngenta und Bayer. Diese werden von Experten der EFSA überprüft, deren Objektivität jedoch als strittig angesehen wird, da sie vielfach in Verbindung zur Agroindustrie stehen sollen. Offensichtlich ist den Zulassungsbehörden schon seit Jahrzehnten durch Eigenstudien der Industrie offenkundig, dass Glyphosat im Tierversuch zu Geburtsfehlern führt. Ebenso gibt es Erkenntnisse darüber, dass bereits geringe Dosierungen zu schwerwiegenden Gesundheitsstörungen führen können. Weder die EU-Regulierungsbehörden noch die Bundesregierung haben seither adäquate Maßnahmen eingeleitet, um das umstrittene Pflanzengift vom Markt zu nehmen. Hingegen attestiert das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – BLV, dem Pflanzenschutzmittel auch weiterhin Unbedenklichkeit und Sicherheit für dessen Anwendung. Die für 2012 anstehende Neuzulassung des ursprünglich nur für 10 Jahre zugelassenen Glyphosat wurde auf 2015 vertagt. Um dies zu bewerkstelligen hat man 2010 extra eine neue EU-Richtlinie verabschiedet. Die einstige Zulassung basiert auf Studienergebnissen vor der Erstzulassung genmanipulierter Pflanzen aus den Jahren 1987 – 1994.

Ausländische Wissenschaftler verurteilen die deutsche Zulassungspraxis und ersehen die Bagatellisierung durch die Behörden zum Wohl der Industrie und zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung, als unverantwortlich.


Superunkräuter: Massive Gewinne - dramatisches Artensterben

Von den weltweit schätzungsweise 2,5 Mio. t ausgebrachten Herbiziden landet nur ein Bruchteil in den Pflanzen selbst, der Löwenanteil (über 90 Prozent) gelangt direkt in Böden und Gewässer. Forschungsergebnisse besagen, dass Roundup die Pflanzen schwächt und ihre Krankheitsabwehr erheblich schädigt sowie deren Erträge massiv mindert. Ebenso treten einst beherrschbare Pflanzenkrankheiten verstärkt auf. Auf Grund der stark eingestuften Giftigkeit für Insekten, Fische und Amphibien kommt es hier zu hochgradigen Sterblichkeitsraten, z.T. bis zu 100 Prozent. Somit fördert der Unkrautkiller drastisches Artensterben auf den Feldern mit weitreichenden Konsequenzen für Insekten und Vögel, deren Lebensraum und Nahrungsgrundlage weltweit drastisch dahinschwindet.

Doch alldem nicht genug, Glyphosat forciert zudem eine rapide Zunahme resistenter Superunkräuter, was eine erhebliche Steigerungsrate und ständige Erhöhung der Dosierungsmenge glyphosathaltiger und weiterer Pflanzengifte in der Agrarwirtschaft nach sich zieht. Die Umwelt wird infolgedessen in unvorstellbarem Ausmaß belastet. Auf globaler Ebene ist ein beunruhigender Teufelskreis in vollem Gang, der die Umsätze von Monsanto & Co. auf Rekordniveau beflügelt, während den Bauern im Gleichzug das Geld aus der Tasche gezogen wird.


Versprechen zerplatzen wie Seifenblasen

Die seitens der Agrarindustrie suggerierte Umweltentlastung durch Roundup und genverändertem Saatgut erweist sich als unhaltbare Milchmädchenrechnung. Stattdessen führt die Anwendung des toxischen Breitbandherbizides nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auf globaler Ebene zu weitreichenden Umwelt- und Gesundheitsschäden, massiv zunehmenden Pestizidresistenzen und infolgedessen zu ständiger Steigerung des Pestizidverbrauchs. Weltweit ist eine dramatische Entwicklung in vollem Gang, aus der es auszubrechen gilt. Denn es ist bereits fünf nach zwölf und somit unumgänglich das Ruder endlich rumzureißen. Nachhaltige Ackerbewirtschaftung durch Ausweitung ökologisch betriebener Landwirtschaft, ist hingegen die Gunst der Stunde.


hummelUnkrautfrei ohne Chemie –
Biolandbau zeigt wie´s geht

Im Biolandbau verfolgt man einen völlig anderen Weg. Statt umweltschädigende Giftcocktails auszubringen, wird nachhaltiger Ackerbau betrieben. Gesunder Boden und ausgetüftelte Technik statt Giftspritze, heißt die Devise! Das A & O für umweltschonenden Biolandbau ist ein gesunder und humusreicher Boden. Mikroorganismen verbessern hier die Bodenstruktur und schaffen ein fruchtbares Klima, das ohne chemische Herbizide auskommt. An die klimatischen Bedingungen und Bodenverhältnisse angepasste Auswahl widerstandsfähiger Pflanzensorten sowie organische Düngung, sind zwei prägnante Säulen in der biologisch betriebenen Landwirtschaft. Wohlweislich durchdachte und abwechselnde Fruchtfolge leisten einen entscheidenden Beitrag für umweltschonende Ernteerfolge. Ein weiterer Aspekt ist die Förderung von Nützlingen durch die Schaffung entsprechender Lebensräume, z. B. durch Heckenbepflanzung. Dies wirkt sich äußerst positiv auf die ansonsten weltweit drastisch schwindende Artenvielfalt aus.

Langjährig intensiv betriebene Monokulturen im konventionellen Landbau fördern immensen Schädlingsbefall. Dies führt zu immer häufigerem Ausbringen höherer Konzentrationen synthetischer Herbizide. Im Biolandbau lassen sich Unkräuter jedoch dank moderner Technik auch ohne den maßlosen Einsatz giftiger Chemiekeulen effektiv aus dem Acker holen. Das ist schonend für den Boden, nachhaltig und umweltfreundlich zugleich. An die individuellen Bodenverhältnisse sowie Ackergröße und die Art der Bewirtschaftung angepasste Maschinen machen es möglich. Allerdings ist diese Form der Bodenbestellung zeitaufwändiger als konventionell betriebener Ackerbau. Denn die Bauern müssen wesentlich öfter auf die Felder und haben einen höheren Spritverbrauch. Doch der gesamte ökologische Nachhaltigkeitsfaktor des Ökolandbaus macht diesen Makel bei weitem wieder wett in der Umweltbilanz.


Logo Creative Commons
Autorin: Maria Herzger


Literatur:

Radio Bayern2: Der Wirkstoff Glyphosat Wundermittel oder Teufelszeug?

Umweltinstitut München e.V. Das meistverkaufte Pflanzengift der Welt

NABU: Glyphosat & Agrogentechnik - Risiken des Anbaus herbizidresistenter Pflanzen für Mensch und Umwelt

NABU: NABU warnt vor gefährlichem Pflanzengift

NABU: Krankheiten, Unfruchtbarkeit, Tod - NABU-Dokumentarfilm über 15 Jahre Gen-Soja-Anbau in Lateinamerika

NDR Fernsehen: Menschen und Schlagzeilen – Video Gesundheitsrisiko Glyphosat

Umweltinstitut München e.V.: Pressemitteilung: Augen auf beim Brötchenkauf - Umweltinstitut fordert sofortigen Stopp von Pestizid-Behandlungen kurz vor der Ernte

Umweltinstitut München e.V.: Pressemitteilung: Glyphosatbelastung in Getreide über Grenzwert

Europäisches Parlament - Parlamentarische Anfragen: Betrifft: Öffentlichkeit über Zusammenhang zwischen „Roundup“ und Geburtsschäden im Ungewissen gelassen

Bundesinstitut für Risikobewertung – BfR: Fragen und Antworten zur gesundheitlichen Bewertung von Glyphosat

BÖLW – Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft: Wie wird im Biolandbau gespritzt? Vorbeugender Pflanzenschutz ohne chemisch-synthetische Pestizide

Dr. Robert Schneider: Erfolgreich mit Bio-Ackerbau!



Anmerkungen:
Über das weltweit verbreitetste Herbizid Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat
FOTO: Dieter Schütz | Kurt Bouda | Jetti Kuhlemann / pixelio.de | n Eliot (flickr) | Maria Herzger


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