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Armut | Deutschland
Soziales Dorf: Projektstand

Armut trotz Vollzeitarbeit – Zeitarbeitsbranche in der Kritik

Eingereicht von Maria Herzger am 07. Feb 2011 - 20:05 Uhr             Seitenaufrufe: 2655

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Immer mehr Leiharbeiter kommen mit ihrem monatlichen Verdienst nicht mehr über die Runden und sind auf zusätzliche Hartz IV Leistungen angewiesen, so lauten neuste Studienergebnisse des DGB. Die Zahl derjenigen, die trotz sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ihre Bezüge mit Hartz IV aufstocken lassen müssen, nimmt kontinuierlich zu. Von Mitte 2009 bis Mitte 2010 ist die Zahl der „Aufstocker“ um satte 60 Prozent gestiegen. Das Armutsrisiko ist in der Verleihbranche überdimensional hoch, die Menschenwürde bleibt mehr und mehr auf der Strecke.

Lohndumping auf Kosten der Steuerzahler

Grundlage der DGB-Studie bildet die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sind Dumpinglöhne in der Zeitarbeitsbranche keine Seltenheit, sondern weit verbreitet. Die Leiharbeit dient zunehmend dazu Lohnkosten massiv zu drücken und Stammbelegschaft durch Leihpersonal zu ersetzten, anstatt Beschäftigungsengpässe flexibel aufzufangen, so der Deutsche Gewerkschaftsbund. Das Lohnniveau im Zeitarbeitsbereich ist in den letzten Jahren permanent gesunken, so dass besonders Industriearbeiter weniger als die Hälfte des Stammpersonals verdienen. Durch diese praktizierte Arbeitspolitik ist das Verarmungsrisiko für Beschäftigte in der Zeitarbeitsbranche als äußerst hoch zu bewerten.

Prekäre Finanzlage trotz Vollzeitbeschäftigung

Die positive Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Monate ist der Studie zu Folge größtenteils durch Stellenbesetzungen mit Leiharbeitern aufgefangen worden. Die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung subventioniere Zeitarbeitsfirmen zu Lasten der Allgemeinheit. Streitpunkt der gestern ohne Einigung endenden und auf kommenden Dienstag vertagten Hartz IV-Verhandlungen zwischen der Regierung und der Opposition, sind u. a. ein Mindestlohn für Leiharbeiter und deren gleiche Bezahlung wie Festangestellte.

Fast 500.000 Vollzeit-Leiharbeitskräfte, für die Einkommensdaten vorliegen, leben lt. DGB in prekären finanziellen Lebenssituationen, da sie unter 1000 € brutto im Monat verdienen. Um eine Aufstockung durch Hartz IV eventuell abzuwenden, ist ein Zweitjob oder der Zuverdienst von Familienangehörigen unabdingbar. Armut trotz Vollzeitbeschäftigung ist somit in Deutschland vielfach an der Tagesordnung.

Armutsrisiko für Leiharbeiter überdimensional hoch

Die Einkommensunterschiede zwischen Stammpersonal und Leihpersonal, auch bei qualifizierten Arbeitskräften, sind enorm und sie haben sich zwischen 2008 und 2009 weiter vergrößert. Für viele sozialversichert Beschäftigte,  ist somit nicht einmal das gesellschaftliche Existenzminimum durch Arbeiten erreichbar - Tendenz steigend. Das Verarmungsrisiko und eine mögliche Hartz IV-Bedürftigkeit liegt in der Zeitarbeitsbranche vier bis fünf Mal so hoch, als in der gesamten restlichen Wirtschaft.

Hartz IV als Geschenk an die Verleihbranche

Die Früchte der sich entwickelnden Arbeitsmarktbelebung kommen bei den Arbeitnehmern nicht an, stattdessen verdienen sich Verleihfirmen eine goldene Nase auf Kosten der Allgemeinheit. Lohndumping und Subventionen aus Steuergeldern sind die bittere Realität. Die Schaffung neuer Beschäftigungsverhältnisse wird demnach auf Kosten von Arbeitnehmern und Steuerzahlern ausgetragen. Trotz wirtschaftlichem Aufschwung hat sich das hohe Armutsrisiko für Leiharbeiter weiterhin verschlechtert. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, dies muss auch in der Zeitarbeitsbranche Gültigkeit haben!

Ein menschenwürdiges und finanziell abgesichertes Leben bleibt vielen arbeitswilligen Menschen im reichen Deutschland per dato leider verwehrt. Die Bundesregierung ist am Zug, diesen Missständen endlich entgegenzuwirken.

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Ein Beitrag von Maria Herzger


Anmerkungen: FOTO: Gerd Altmann/moshxl.de/ pixelio.de


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