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Soziales Dorf: Projektstand

Niederländische Studentin will traumatisierten jungen IS-Opfern helfen

Eingereicht von Detlef Müller am 21. Feb 2015 - 19:50 Uhr             Seitenaufrufe: 4562

Bild 0 für Niederländische Studentin will traumatisierten jungen IS-Opfern helfen

Amsterdamer Free Yezidi-Stiftung will Yesiden im Nordirak helfen: Dort sollen ein Traumazentrum und ein Waisenhaus enstehen. Die Initiatorin wünscht sich dafür mehr Unterstützung aus Europa.

Amsterdam/Dohuk/Minden. Seit Monaten gehen wahre Horrornachrichten über IS-Untaten um die Welt: Verschleppung, Missbrauch und Gewalt an Teenagern und junge Frauen.
Eine Niederländische Stiftung will den Opfern helfen. Im Nordirak sollen ein posttraumatisches Zentrum und ein Waisenhaus entstehen. Als Standort für beide Projekte ist die Stadt Dohuk vorgesehen.

Angesichts dieser Krise muss die Welt helfen, appelliert Free Yezidi-Gründerin Pari Ibrahim. Sie ruft die internationale Gemeinschaft auf, Minderheiten wie den Yesiden, irakischen Christen und anderen in der Not beiseite zu stehen.


Von der Jurastudentin zur Aktivistin

foto: pari ibrahim im nordirakIm Frühsommer 2014 überfallen Glaubenskrieger der IS die Stadt Mossul und den Norden des Irak. Unter religiösen Minderheiten richten sie ein Blutbad an.
Besonders grausam wütet der islamische Staat unter den Yesiden. Viele Männer werden getötet, Frauen und junge Mädchen vergewaltigt, verschleppt und versklavt. Mehrere Tausend können in die Berge fliehen. Aber auch sie leben in ständiger Bedrohung.

Es ist August. In Amsterdam bangt die Jurastudentin Pari Ibrahim um Verwandte und Freunde, die in der IS-bedrohten Region leben. Selbst Yesidin aus Dohuk, lebt sie seit ihrem dritten Lebensjahr in den Niederlanden.
Eine Aktivistin sei sie nie gewesen, sagt Ibrahim. Aber die Dringlichkeit und das Grauen der Krise im Nordirak hätten sie zum Handeln gedrängt.

Sie gründet die Free Yezidi Foundation, um hilfebedürftige Yesiden zu unterstützen. Sie soll als Dachorganisation dienen, um eine beliebige Zahl Hilfsprojekte für Yesiden ab sofort und in Zukunft zu unterstützen. Kinder und geschlechtsspezifische Gewalt sind besonders im Fokus. Die Stiftung wird in den Niederlanden zugelassen und als wohltätig registriert. 


Amnesty: Escape from hell - aus der Hölle entkommen

Im September fährt die junge Studentin zum UNO Menschenrechtsrat nach Genf. Dort schildert sie den Genozid an der kleinen Glaubensgemeinschaft, der sie selbst angehört.
Zwei Monate später ist Pari Shex Sleman Ibrahim in New York. Im Hauptquartier der Vereinten Nationen führt sie Gespräche mit hohen Offiziellen. Man hört sie an, denn auch bei der UNO befürchtet man einen geplanten Völkermord. Man gibt Ibrahim Ratschläge, was sie für ihr Anliegen tun kann.

In der Zwischenzeit reißen die schrecklichen Nachrichten nicht ab. Kurz vor Weihnachten bestätigt ein Bericht von Amnesty international, worauf von yesidischer bzw. kurdischer Seite immer wieder hingewiesen wird: Massenhafter Missbrauch durch ISIS-Kämpfer an jungen Frauen und Mädchen. Die Überschrift 'Escape from Hell' deutet auf einen "Giftcocktail an Erlebnissen" hin, den die Menschenrechtsorganisation mit ihrem Report dokumentiert hat.


Projekte gegen Not und Verlust

foto: pari ibrahim im nordirak

Die Free Yezidi Stiftung will zunächst zwei humanitäre Projekte schaffen, ein Zentrum für traumatisierte junge Frauen und ein Waisenhaus. Beide Projekte sollen im Government Dahuk im äußersten Norden des Irak entstehen.

Viele Opfer sexueller Gewalt sind in den Flüchtlingslagern der Region untergekommen. Die Absicht ist, ein Zentrum zu schaffen, in dem sie traumatherapeutisch versorgt werden. Es wird speziell auf die Mentalität und Traditionen der yesidischen Bevölkerung ausgerichtet sein. Nach den Planungen soll die Einrichtung Mitte 2015 ihre Türen öffnen.
Noch immer werden 5.000 Frauen und Kinder von der IS gefangen gehalten. Das sind die letzten Erkenntnisse der Abgeordneten Vian Dakhil. Auch unter ihnen ist mit einem hohen Anteil Missbrauchs zu rechnen.

Für Kinder, die durch den IS-Überfall ihre Eltern verloren haben, soll ein Waisenhaus gebaut werden.
Es gäbe viele im Raum Dohuk, 130 seien ihrer Stiftung bereits bekannt. Wegen der Kinder könne sie nachts nicht mehr schlafen, sagt Ibrahim gegenüber der New Londoner Zeitung The Day. "Ich bin bereit alles in meinem Leben aufzugeben, um sie wieder lachen zu sehen."


Paris Versprechen: ".. whatever it takes."

Im Januar 2015 reist Stiftungsgründerin Ibrahim ins Sindschar-Gebirge. Begleitet wird sie von einem Fernsehteam und dem Briten Derek Farrell, einem internationalen Fachmann für EMDR-Traumabehandlungen. Sie besuchen Flüchtlingscamps in Dohuk und Zaxo. Gemeinsam wollen Ibrahim und Farell erkunden, wie den vielen jungen Missbrauchopfern geholfen werden kann.

In einem Camp sprechen Yezidinnen über ihre Gefangenschaft. Geschätzt sind alle vier unter 20 Jahren alt: "Niemand hat uns geholfen. Keiner hat nach uns gefragt." sagt eine. Hilflos seien sie der IS ausgeliefert gewesen.
Die seelischen Wunden sind noch ganz frisch. Man bekommt den Eindruck, als könnten sie nie verheilen. Pari Ibrahim nimmt sie in den Arm. "Wir werden dir helfen." sagt sie mit ruhiger Stimme. Und fügt dann hinzu: "I will help you whatever it takes - Ich werde dir helfen, was auch immer es benötigt."


Was sich Stiftungsgründerin Ibrahim von Europa wünscht: "Mehr Unterstützung von der Europäischen Union und aus Deutschland", sagt die 26-jährige gegenüber dem Newsblog. Jede öffentliche oder private Hilfe ist willkommen.



Mehr Informationen

Webseite - Free Yezidi Foundation | Spenden

Facebook - facebook.com/freeyezidi

Twitter - twitter.com/Free_Yezidi

youtube - www.youtube.com/channel/UCmDZ1sDCzz1Qv3mzZUc0N-A


Besten Dank an Pari Ibrahim für die Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen ihren beiden Stiftungsprojekten viel menschliche und materielle Unterstützung!
Hilfebereite Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich via Kontaktformular auch an die Blogredaktion wenden.

Zweitveröffentlichungen dieses Beitrages sind ausdrücklich willkommen.
Bitte ggf. als Bildquelle "Foto: Free Yezidi Foundation"
angeben - danke.


____________________

[1] Jesidinnen berichten von Martyrium in IS-Gefangenschaft, Die Zeit am 23. Dezember 2014
[2] Free Yezidi Foundation , Webseite
[3] Pari Ibrahim, a Yezidi at the United Nations in Geneva Switzerland, FreeYezidi (youtube) am 26. September 2014
[4] Visitor to New London tells of Islamic State atrocities in Iraq, the day am 17. November 2014
[5] Post-Trauma Centre, Free Yezidi Foundation, Projekt Traumazentrum (en)
[6] Children's Centre, Free Yezidi Foundation, Projekt Waisenhaus (en)
[7] Yezidi women and girls face harrowing sexual violence, Amnesty international am 23. Dezember 2014
[8] Dahuk (Gouvernement), Wikipedia
[9] Vian Dakhil: "5000 Kinder und Frauen in Gewalt der IS", DiePresse.com am 14. Februar 2015
[10] Yeziden im Irak, Informative Webseite
[11] Islamischer Staat (Organisation), Absatz Irak, Wikipedia
[12] Dutch show Brandpunt and the Free Yezidi Foundation visit Yezidis recovering from ISIS attack, FreeYezidi (youtube) am 5. Januar 2015



Anmerkungen:
Fotos: Free Yezidi Foundation


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